Jagen aus Passion

Schwarzmilan Julia Hy-KellerDer ÖJV Hessen ist weder der “bewaffnete Arm der Naturschutzbewegung”, noch ist er ein „Waldpflanzen-Schutzverein“, der nur aus Sorge um das Ökosystem jagt.
Wir sind ein Zusammenschluss von Jägern – und die  jagen aus Passion. Wir lieben das Weidwerk, weil wir uns beim Jagen als Teil der Natur erfahren. Keine bloßen Betrachter, sondern handelnde Akteure sind.

Glaubwürdig sind wir Jäger nur, wenn wir zu dieser entscheidenden Triebfeder unseres Handelns stehen. Sie verborgen oder auch nur bemäntelt zu haben, war eine wichtige Ursache für den Glaubwürdigkeitsverlust der Jagd. Die Öffentlichkeit kann keine Selbstdarstellung ernst nehmen, die glauben machen will, der Jäger investiere viel Zeit und enorme Summen in Ausbildung, Ausrüstung und Revier, einzig mit der hehren Absicht, so die Kulturlandschaft zu retten. Die Passion steht nicht umsonst im Mittelpunkt der traditionellen Jagdliteratur. Sie zu verschweigen wäre töricht.


Wälder ohne Zäune

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Verantwortungsvolle Bejagung zeigt sich im Wald. Trifft man im Forstbereich auf „Drahthosen“ und Zäune, um den Aufwuchs vor dem Wild zu schützen, dann wird dort nicht genug gejagt. Dabei geht es nicht nur um die Interessen der Forstwirtschaft, sondern auch um den Erhalt des Waldes als Klimafaktor, Wasserspeicher und Erholungsraum für die Bevölkerung. Eine „Überweidung“ durch Rehe und Rotwild schädigt nicht nur die Bäume. Auch Blütenpflanzen, Stauden und Hecken gehen zurück. Einzelne Pflanzenarten verschwinden ganz. Und mit ihnen zahlreiche Kleintiere, etwa Wildbienen und Schmetterlinge, für die sie Lebensraum und Nahrung waren. Auch in Hessen gibt es Areale mit hohen Wildbeständen, in denen kein Weidenröschen mehr blüht.

 

Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt

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Unsere jagdliche Praxis orientiert sich an ihrer Wirkung auf das Ökosystem. Die Rodung der Wälder und das Entstehen landwirtschaftlicher Flächen war der erste große Eingriff des Menschen in die Natur. „Natur pur“ gibt es heute in Mitteleuropa nur noch in kleinen Restbeständen. Alles andere wurde Kulturlandschaft.

Unsere hessischen Jagdreviere bestehen zumeist aus Wald und Feldbereichen. Auf den Agrarflächen ist der Tisch für Pflanzenfresser reich gedeckt. Das große Angebot in der Vegetationszeit führt zu hohen Vermehrungsraten – etwa bei Rehen und beim Rotwild. Doch im Herbst bringt die bäuerliche Ernte diese Nahrungsquellen zum Versiegen. Danach bleibt dem zahlreichen Wild nur noch der Wald. Die Schäden durch Schälung der Bäume und Verbiss der Vegetation wären gravierend, würde nicht durch die Jagd der Zuwachs abgeschöpft. Diese „Regulierung“ der Wildbestände ist natürlich ein weiterer Eingriff des Menschen, der versucht, die Folgen seines ersten historischen Eingriffs, der Rodung, abzumildern.

Jagd ist also keineswegs der anmaßende Versuch „das natürliche Gleichgewicht herzustellen“. Es geht lediglich um eine „Balance“ in der Kulturlandschaft. Ihre Nutzung durch Ackerbau, Forstwirtschaft und Jagd soll mit Landschaftsschutz und Artenvielfalt in Einklang gebracht werden. Als extensive Naturnutzung liefert die Jagd zudem schmackhaftes Biofleisch. Denn die Tiere in „freier Wildbahn“ haben die freie Wahl. Sie fressen nur, was ihnen schmeckt.

 

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