Tierschutz statt Weidgerechtigkeit

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Unsere jagdliche Ethik ergibt sich allein aus dem Tierschutzgesetz, das untersagt, einem Tier unnötige Schmerzen zuzufügen. Überkommene “Weidgerechtigkeit”, die etwa nur den riskanten Schuss auf fliegende Wildhühner, Tauben und Enten erlaubt, das Erlegen laufender Fasanen oder schwimmender Enten aber verbietet, ist mit diesem Grundsatz nicht vereinbar. Unser Leitgedanke des Tierschutzes führt folgerichtig zur Ablehnung der Fallenjagd, die auch mit Lebendfallen den Tieren massiven Stress und damit vermeidbare Schmerzen zufügt. Hermeline in Kastenfallen sterben nach wenigen Stunden. Einfach nur, weil sie eingesperrt sind.

 

Für ein anderes Jagdgesetz

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Die Novellierung des Hessischen Jagdgesetzes im Juni 2011 war keine grundlegende Reform, sondern nur eine kosmetische Korrektur. Die zentralen Bestimmungen des Bundesjagdgesetzes (BJG) und seiner hessischen Variante müssen nach wie vor “entrümpelt” und an die Erfordernisse einer zeitgemäßen Jagd angepasst werden. So gehören auf die Liste jagdbarer Arten nur Tiere, deren Bejagung wildbiologisch zu begründen ist. Praxisnah wäre auch, dass sie bei uns überhaupt anzutreffen sind.

Es wirkt „ wie aus der Zeit gefallen“, wenn in Hessen daran festgehalten wird, „Wisent, Elchwild, Steinwild, Gamswild, Schneehase, Murmeltier, Wildkatze, Luchs, Fischotter, Seehund, Wachtel, Auer-, Birk- und Rackelwild, Haselwild, Alpenschneehuhn, Säger, Haubentaucher, Großtrappe, Graureiher, Greife, Falken (und) Kolkrabe“ als jagdbare Arten einzustufen. Der skurrile Zusatz „mit ganzjähriger Schonzeit“ stellt klar, dass der Jäger de facto „den Finger gerade zu lassen hat“. Offenbar gibt es in Hessen Jäger mit politischem Einfluss, die allen Ernstes darauf hoffen, irgendwann in ferner Zukunft zwischen Neckar und Weser wieder Wisent, Elch und Auerhahn bejagen zu können. Oder wenigstens Murmeltier und Seehund. Dann stünden die ja schon mal unter Jagdrecht.

Skurrile Widersprüche

Auch an anderer Stelle entbehren hessische Vorschriften jedweder Logik. So ist die Erlegung eines Wildschweines an der Lockfütterung (Kirrung) erlaubt, eines Rehes an der Futtertraufe aber nicht. Der Nachtansitz auf Sauen und Rotwild ist übliche Praxis, die Nachtjagd auf Rehwild aber illegal.

Kompetente Vorschläge ignoriert

Bereits 2010 hat das Bundesamt für Naturschutz in einem profunden Gutachten auf die Dringlichkeit zeitgemäßer Jagdgesetze hingewiesen. Eine zentrale Forderung ist dort, die Rechte der Grundeigentümer als Inhaber des Jagdrechts zu stärken. Zum Beispiel dadurch, dass die Pachtzeiten variabel festgelegt werden können. Nur so könne eine unzureichende Bejagung durch Revierpächter frühzeitig korrigiert oder eben auch beendet werden. Die tradierte Festlegung von Abschussplänen für das Rehwild müsse durch einen Mindestabschuss ersetzt werden. Limitierte Zielvorgaben hätten sich als praxisfremd erwiesen. Auf die Höhe des Mindestabschusses müsse der Grundeigentümer/Jagdrechtsinhaber entscheidenden Einfluss haben.

Bei der Novellierung des Hessischen Jagdgesetzes (2011) standen diese Vorschläge gar nicht erst zur Debatte. Die konservative Landtagsmehrheit betonierte den Status quo.